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Neues vom Büchermarkt | |||||
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Rüdiger von Voss: Der Staatsstreich vom 20. Juli 1944. Politische Rezeption und |
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Traditionsbildung in der Bundesrepublik Deutschland. Lukas Verlag, Berlin 2011. 159 S. |
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Seizinger, Gertrud: Otto von Faber du Faur – Studien zu den Arbeiten in Öl. |
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Abhandlung zur Erlangung der Würde eines Doktors der Philosophie, Stuttgart 2010 | |||||
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Julian Reichelt/Jan Meyer, Ruhet in Frieden, Soldaten. | |||||
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Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan vertuschen. | |||||
| Fackelträger, 2010, ISBN978-3-7716-4466-6; 218 Seiten, 16,95 €. | ||||||
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Daniel Kirn, Soldatenleben in Württemberg 1871 - 1914 | |||||
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Wir danken dem Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart für die Genehmigung, die | |||||
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Buchbesprechung hier einzufügen. | |||||
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Erschienen ist sie in der landesgeschichtlichen Zeitschrift „Momente“ 2/2010 | |||||
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(www.momente-bw.de) | |||||
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Nadolny, Sten/Sparschuh, Jens: Putz- und Flickstunde. | |||||
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Zwei kalte Krieger erinnern sich. Piper Verlag, München 2009. 224 S. | |||||
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"Schwäbisches Potsdam" | |||||
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Die Garnison Ludwigsburg von den Anfängen bis zur Auflösung | |||||
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von Wolfgang Läpple | |||||
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| Karl J. Mayer, Napoleons Soldaten – Alltag in der Grande Armée, 140 S., | ||||||
| Primus-Verlag Darmstadt 2008 | ||||||
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Jürgen Reichardt, „Hardthöhe Bonn – Im Strudel einer Affäre“, Osning-Verlag, |
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Bielefeld – Bonn, 2008 | |||||
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Achim Wohlgethan, „Endstation Kabul, Als deutscher Soldat in Afghanistan – | |||||
| ein Insiderbericht“, 2008 | ||||||
| E.S. Mittler & Sohn in Zusammenarbeit mit der Führungsakademie der | ||||||
| Bundeswehr, "50 Jahre Führungsakademie der Bundeswehr , 1957 – 2007" | ||||||
| Klaus Hornung, Alternativen zu Hitler – Wilhelm Groener, Soldat und Politiker | ||||||
| in der Weimarer Republik | ||||||
| Konstanze von Schulthess, „Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg . Ein | ||||||
| Portrait“ | ||||||
| Klaus Naumann, "Generale in der Demokratie - Generationsgeschichtliche Studien zur Bundeswehrelite" | ||||||
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Dieter E. Kilian, „Elite im Halbschatten – Generale und Admirale der Bundeswehr" |
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Baur,
Tobias: Das ungeliebte Erbe. Ein Vergleich der zivilen und militärischen Rezeption des 20.Juli 1944 im Westdeutschland der Nachkriegszeit. |
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Sönke,
Neitzel, "Abgehört - Deutsche Generale in britischer Kriegs- gefangenschaft 1942 - 1945" |
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Rüdiger von Voss: Der Staatsstreich vom 20. Juli 1944. |
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Der erste Gedanke beim Erblicken des Titels „Der Staatsstreich vom 20.Juli 1944“ war: Braucht es noch eine Arbeit über die Ereignisse am 20.Juli 1944? Der Untertitel korrigiert das vorschnelle Urteil. „Politische Rezeption und Traditionsbildung in der Bundesrepublik Deutschland“ ist das Anliegen des Autors Rüdiger von Voss, Sohn eines Widerstandskämpfers. Keiner ist besser geeignet, sich diesem wichtigen Aspekt zuzuwenden. Über 40 Jahre hat sich von Voss ehrenamtlich für die Würdigung und Anerkennung des 20. Juli 1944 eingesetzt, lange Jahre als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944 und noch länger als Vorsitzender der gleichnamigen Forschungsgemeinschaft. Im Eingangskapitel ordnet der Autor den 20.Juli historisch und politisch in die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik ein. Anschließend untersucht er anhand von Reden von u.a. Bundespräsidenten und Bundeskanzlern den Weg den der 20.Juli 1944 hin zu einem erfolgreichen Traditionsverständnis genommen hat. Ein Schwerpunktkapitel befasst sich mit der Bedeutung des Widerstandes im Traditionsverständnis der Bundeswehr auf 54 Seiten (ein Drittel des Buchs). Voss zeichnet den schwierigen und z.T. konfliktreichen Weg auf, den die Bundeswehr genommen hat, um den Widerstand vom 20.Juli 1944 zum unverzichtbaren Element des Traditionsverständnisses der Bundeswehr zu machen. Diese Entwicklung erfährt aus Sicht des Autors ausgerechnet durch einen SPD-Minister (Apel) einen herben Rückschlag. Die „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege“ von 1982 lesen sich nach dem bis zu diesem Zeitpunkt eindeutigen Bekenntnis zum konservativ-militärischen Widerstand als traditionsbildend für den Soldaten der Bundeswehr fast wie eine Distanzierung von den Lehren aus dem 20.Juli 1944. Dabei soll es sich bei der Nichterwähnung des 20. Juli 1944 – nach Auffassung von GenLt von Scheven – um ein redaktionelles Versehen gehandelt haben. Der Autor belegt dann jedoch, dass dies nur eine Unterbrechung des Weges der Bundeswehr zu einem kritischen Traditionsbewusstsein war. Es erstaunt etwas, dass Voss bei der umfangreichen Darstellung den Kommandeurbrief des Generalinspekteurs Naumann vom 3. Mai 1994 (50. Jahrestag) unterschlägt. Das jährliche Gelöbnis am 20. Juli, erst im Bendlerblock, jetzt vor dem Reichstag, ist der Schlusspunkt unter einer Entwicklung, die der Autor wie folgt bilanziert: „Der Bundeswehr ist damit eine Orientierung gegeben, die Fragen nach ihrem Traditionsverständnis unmissverständlich beantworten lässt“. Die beiden letzten Kapitel zeigen den z.T. beschwerlichen Weg auf, den die Stiftung und die Forschungsgemeinschaft genommen haben. Auch wenn Voss aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz eine informative Bilanz über deren Arbeit zieht, ist ihm zuzustimmen, dass es wichtig wäre, „eine durchgängige, wissenschaftlich fundierte Geschichte“ der beiden Organisationen zu schreiben. Ein insgesamt lesenswertes Buch, das insbesondere jungen Soldaten empfohlen wird, da das Bekenntnis zum Widerstand das Selbstverständnis der Bundeswehr bis heute prägt. |
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Seizinger, Gertrud: Otto von Faber du Faur – Studien zu den Arbeiten in Öl. |
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Aus der Einführung werden Ausschnitte zum Forschungsstand und zur Aufgabenstellung insoweit zitiert, als sie den Offizier und Schlachtenmaler betreffen.
Forschungsstand:
Aufgabenstellung: Teil I enthält einführende Bemerkungen zur Quellenlage, zum Forschungsstand und zur Aufgabenstellung. Teil II. befasst sich mit den biografischen Daten (Seite 12 – 29). Der Hauptteil III. widmet sich der Werkuntersuchung. Das Werk umfasst 256 Seiten und steht in der Handbibliothek des Garnisonmuseums. |
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| Julian Reichelt/Jan Meyer, Ruhet in Frieden, Soldaten. | ||||||
| Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan | ||||||
| vertuschen. Fackelträger, 2010, ISBN978-3-7716-4466-6; 218 Seiten | ||||||
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Immer zahlreicher ist die Literatur zum Einsatz der Bundeswehr in Aghanistan geworden (siehe unten). Das Buch der beiden „Kriegsreporter“ der BILD-Zeitung verdient darunter sicher besondere Aufmerksamkeit. Unter ihrer Mitwirkung wurde im letzten Herbst der sog. Feldjägerbericht veröffentlicht, in dessen Folge der Generalinspekteur, ein Staatssekretär und schließlich ein Minister ihren Hut nehmen mussten. „Ein verlorenes Jahrzehnt“ nennen die Autoren den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach dem 11.9.2001. Grund sei, dass die Politik es versäumt habe, die Realität „Krieg“ anzuerkennen und die Darstellungen des Einsatzes „so unendlich weit von der Wahrheit entfernt gewesen seien, dass man nur von Verschleiern und Verheimlichen sprechen kann“. Am Beispiel der Tanklaster-Bombardierung am 4.9.2009 wird dies detailreich belegt. Viel zu spät habe man sich von der Legende des „Brunnenbauens“ verabschiedet und erst zu Guttenberg habe offen darüber gesprochen, was in Afghanistan tatsächlich passiert. Das Fazit der beiden Journalisten ist ernüchternd: siezweifeln, ob es eine erfolgreiche Strategie für Afghanistan überhaupt hätte geben können, ihre derzeitigen Beobachtungen deuteten darauf hin, „dass wir sehr dicht vor einem Scheitern stehen“. Trotz dieser bitteren Erkenntnis (oder gerade deswegen): ein lesenswerter Bericht, der dem Leser die Einschätzung dessen, was z.Z. im Zusammenhang mit dem Einsatz geschieht, besser ermöglicht.
Heike Groos, „Das ist auch euer Krieg“.Deutsche Soldaten berichten von ihren Einsätzen, Krüger, 208 Seiten, 18,95 €. Stefan Kornelius (Hrsg.), „Deutsche Soldaten im Krieg“. Die Bundeswehr in Afghanistan, Fackelträger, 144 Seiten, 29,95 €. Marc Lindemann, „Unter Beschuss“. Warum Deutschland in Afghanistan scheitert. Econ, 288 Seiten, 18,95 €. Andreas Timmermann-Levanas, „Die Reden - Wir sterben“. Wie unsere Soldaten zu Opfern der deutschen Politik werden, Campus, 220 Seiten, 18,90 €. |
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| Nadolny, Sten/Sparschuh, Jens: Putz- und Flickstunde. | ||||||
| Zwei kalte Krieger erinnern sich. Piper Verlag, München 2009. 224 S. | ||||||
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Viel Gemeinsames ihrer militärischen Dienstzeiten bei der Bundeswehr (Nadolny) bzw. der NVA (Sparschuh) finden die beiden Schriftsteller in ihren Gesprächen nicht. So muss die „Putz- und Flickstunde“, die es drüben wie hüben gab, als Verbindendes herhalten, um sich über ihre Dienstzeit auszutauschen. Das Trennende ist dafür umso spannender, auch wenn die Voraussetzungen für ein gleichwertiges Gespräch nicht optimal sind: Nadolny , 66 Jahre alt, diente als 20jähriger gleich nach dem Abitur freiwillig 2 Jahre von 1961 - 1963 und wurde Reserveoffizier der Fernmeldetruppe , Sparschuh hatte sein Studium der Philosophie in Leningrad und seine Doktorarbeit an der Humboldt-Universität abgeschlossen, als er 1983 als 27jähriger unfreiwillig 3 Monate als Reservist bei den Pionieren abdienen musste. |
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| Beiden Gesprächspartnern ist schnell klar, dass es vor allem darum geht, die Gegensätze zu ergründen und die locker strukturierten Gespräche fördern diese auch reihenweise zu Tage: Vergnügliches (wie die Regeln der Etikette außer Kraft gesetzt werden, damit der NVA-Vorgesetzte stets den Überblick bewahrt), Seltsames (beide wundern sich, welche Faszination Waffen auf sie ausgeübt haben, obwohl sie dem Wehrdienst distanziert gegenüber standen) und auch Beängstigendes (man hätte ja durchaus aufeinander schießen müssen) zeichnen einen realistischen Alltag des Wehrdienstes in Ost und West in den Zeiten des Kalten Krieges. | ||||||
| Zwei Beiträge unterbrechen das Gespräch. Sparschuh’s Monolog eines Stasi-Mitarbeiters erhellt, wie bedrängt der Autor in der DDR gelebt hat. Nadolny’s „Geschichte des Funker Reuter“ beschreibt Träume und Alpträume eines Soldaten. | ||||||
| Am Schluss des Buches steht ein Artikel der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ den Nadolny kurz nach seinem Wehrdienst veröffentlicht hat („Schadet Denken dem Soldaten“). | ||||||
| Der Vorzug des Buches liegt vor allem darin, dass beide Autoren Distanz zu ihrem Tun in den Streitkräften halten, aber dabei nicht als Besserwisser auftreten. So gelingt es ihnen, ein Bild zu zeichnen, dass für den „gedienten“ Leser so manchen Wiedererkennungswert hat. Das Buch ist in jeder Hinsicht lesens- und preiswert. | ||||||
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P.S. Auch wenn beide Autoren zurückhaltend in der Einschätzung der prägenden Kraft ihres Wehrdienstes sind: zumindest Nadolnys Entscheidung, statt Betriebswirtschaft Geschichte zu studieren, ist wesentlich von seinem Kriegsgeschichtslehrer Oberstleutnant Krug beeinflusst worden. |
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| Unterbrochen wird das Gespräch von zwei Einschüben. Jens Sparschuh schildert in „Puzzle“ den Monolog eines Stasi-Vernehmungsoffiziers, in dem die Vorgeschichte zur unfreiwilligen Dienstzeit des Autors erhellt wird. Sparschuh hatte seine reguläre Dienstzeit durch sein Studium in der Sowjetunion versäumt und sich offenbar durch sein wissenschaftliches Interesse und seine internationalen Kontakte verdächtig gemacht. Die Drohung mit einer jederzeit möglichen Einberufung als Reservist sollte den Doktor phil. offenbar auf (Staats)-Linie bringen. | ||||||
| Sten Nadolny schildert in „Die Geschichte des Funkers Reuter“ wie Träume unversehens zu Alpträumen werden können, wenn sie denn mit Militär und drohender Vernichtung zu tun haben. Am Ende des Buches steht ein kritischer Bericht Nadolnys, den er nach dem Abschluss seiner Dienstzeit für die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb. | ||||||
| Nadolny wuchs in Oberbayern auf; nach dem Abitur in Traunstein studierte er in München sowie in Göttingen, Tübingen und Berlin Geschichte und Politikwissenschaft. 1976 promovierte er an der Freien Universität Berlin zu dem Thema Abrüstungsdiplomatie 1932/1933. Sein Großvater Rudolf Nadolny leitete 1932/1933 die deutsche Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz des Völkerbunds. Doktorvater Nadolnys war der renommierte Historiker Thomas Nipperdey. Bevor er als Aufnahmeleiter ins Filmgeschäft einstieg, war er für etwa ein Jahr als Geschichtslehrer tätig. Zur Zeit lebt er in Berlin. | ||||||
| Zwei kalte Krieger erinnern sich. Die Schriftsteller Sten Nadolny (66, „Die Entdeckung der Langsamkeit“) und Jens Sparschuh (53, „Schwarze Dame“), plaudern in ihrem gemeinsamen Buch „Putz und Flickstunde“ über ihre Militärdienstzeit in Ost und West. Unterschiedlicher könnten die Erinnerungen kaum sein. Sten Nadolny verpflichtet sich von 1961 bis 1963 freiwillig für zwei Jahre bei der Bundeswehr, Jens Sparschuh musste 1983 durchaus unfreiwillig drei Monate als Reservist bei der NVA abdienen. | ||||||
| Wo Männer zusammensitzen, kommt das Thema Militär zuweilen schnell zur Sprache, egal ob sie mit Herzblut die Waffe ergriffen oder eher widerwillig – Frauen kennen das. Auch die beiden Schriftsteller landeten während einer Bergwanderung eher beiläufig bei dem Thema. | ||||||
| Doch bei dieser Brotzeit stellten sie offenbar fest, dass sie sich einer grundsätzlichen Differenz zwischen den real existierenden Hälften Deutschlands vor der Wende genähert hatten. Also setzten sie sich wieder zusammen, um die Gegensätze gründlicher auszuloten. | ||||||
| Gemeinsamkeiten sind bei diesem Vergleich zwischen den Streitkräften in Ost und West kaum auszumachen. Allerdings gab es in beiden die Putz- und Flickstunde für Waffen und Uniformen – daher der Titel. Unversehens aber wird das Buch zu einem Plädoyer für die Demokratie und ihre Institutionen. Verlässlich festgeschriebene Rechte sichern die Menschenwürde, stellen die Schriftsteller fest, auch dem Soldaten. | ||||||
| Erschreckendes, Vergnügliches und Seltsames kommt bei der Ost-West-Plauderei heraus. Wäre der Kalte Krieg heiß geworden, hätten die beiden Wortzauberer vielleicht sogar aufeinander schießen müssen. | ||||||
| Denn eine Waffe trugen beide während ihrer Dienstzeit, auch wenn der eine die Aufgabe hatte, Fernmeldeleitungen durch den Wald zu ziehen, und der andere Pontonbrücken über die Elbe baute. Übrigens geben beide zu, dass sie Schusswaffen außerordentlich faszinierend fanden. | ||||||
| Unterbrochen wird das Gespräch von zwei Einschüben. Jens Sparschuh schildert in „Puzzle“ den Monolog eines Stasi-Vernehmungsoffiziers, in dem die Vorgeschichte zur unfreiwilligen Dienstzeit des Autors erhellt wird. Sparschuh hatte seine reguläre Dienstzeit durch sein Studium in der Sowjetunion versäumt und sich offenbar durch sein wissenschaftliches Interesse und seine internationalen Kontakte verdächtig gemacht. Die Drohung mit einer jederzeit möglichen Einberufung als Reservist sollte den Doktor phil. offenbar auf (Staats)-Linie bringen. | ||||||
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Sten Nadolny schildert in „Die Geschichte des Funkers Reuter“ wie Träume unversehens zu Alpträumen werden können, wenn sie denn mit Militär und drohender Vernichtung zu tun haben. Am Ende des Buches steht ein kritischer Bericht Nadolnys, den er nach dem Abschluss seiner Dienstzeit für die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb. |
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Beide Schriftsteller stehen dem Militär kritisch gegenüber. Beide erzählen von mangelnder Privatsphäre, dem drückend engen Beieinander vieler Menschen, von Langeweile oder unsinnigen Tätigkeiten und regen dazu an, über die tödlichen Konsequenzen von Armeen nachzudenken. |
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Doch sie halten sich mit Ratschlägen für junge Leute, die vor der Entscheidung Bundeswehr oder Ersatzdienst stehen, bewusst zurück. |
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| "Schwäbisches Potsdam" | ||||||
| Die Garnison Ludwigsburg von den Anfängen bis zur Auflösung | ||||||
| von Wolfgang Läpple | ||||||
| 2 Bände im Schuber · gesamt 1236 Seiten, Fadenheftung | ||||||
| Stadt Ludwigsburg – Stadtarchiv. | ||||||
| ISBN 3-00-014212-6 | ||||||
| Preis € 89,90. | ||||||
| Zu beziehen über das Stadtarchiv Ludwigsburg oder den Buchhandel | ||||||
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Im Zuge der Schließung von Garnisonen im Zusammenhang mit der Wende Ende des letzten Jahrhunderts sind zahlreiche Veröffentlichungen erschienen. Die Bilanz, die Wolfgang Läpple zur Garnison Ludwigsburg als Monografie und Nachschlagewerk vorlegt, sucht jedoch ihres gleichen. In zwei Bänden auf 1236 Seiten mit mehr als 1400 Fotografien, sonstigen Abbildungen und Kartenmaterial hat der Autor in mehr als siebenjähriger Arbeit alle verfügbaren Fakten zur Geschichte der Garnison von den Anfängen (1704) bis zur Auflösung (1994) zusammengetragen. Zum 300-jährigen Stadtjubiläum hat der Stadtarchivar und Oberstleutnant der Reserve damit eine Lücke in der Stadtgeschichte geschlossen. Mehr als 260 Jahre hat das Militär die Stadt nachhaltig geprägt, über 150 Liegenschaften wurden militärisch genutzt und zeitweise machten die Soldaten 30 Prozent der Bevölkerung aus. Es gibt wohl keine zweite Stadt neben Potsdam, die im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl seit ihrer Gründung Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts so sehr vom Militär geprägt wurde. Schon die Einleitung fördert die Leselust, weil zahlreiche Zitate den Text anschaulich machen. So kommt der (falsche)Eindruck erst gar nicht auf, ein reines Nachschlagewerk in der Hand zu haben. In fünf Abschnitten - auf mehr als 300 Seiten - findet sich eingangs eine lebendig geschriebene Geschichte der Garnison. 6 Farbtafeln und zahlreiche Abbildungen illustrieren diesen Teil. Ein Abschnitt „Stäbe, Truppenteile und militärische Dienststellen“ verdeutlicht die Vielfalt und den Wandel über die Jahrhunderte. Es fällt auf, dass die Aktenlage für die Bundeswehr (z. B. im Vergleich zu den US-Angaben) eher dürftig zu sein scheint. Eine Stellenbesetzungsliste endet 1939 und findet für die Bundeswehr keine Fortsetzung. Es folgen mehr als 240 Kurzbiografien von Alberti bis Zumsteeg, die für sich allein eine „Fundgrube“ sind. Die Stadtkommandanten und vergleichbaren Offiziere, Stellenbesetzungen von Truppenteilen (letztere leider nur bis 1939)sowie je ein Kapitel über „Militärmusik“, „ Traditionspflege“ und „Ross und Reiter“ beschließen den ersten Band. Der 2. Band befasst sich mit den Liegenschaften. In Verbindung mit 5 Übersichtskarten erfährt der Leser alles über militärisch genutzte Objekte und Flächen. Lagepläne, Fotos und 5 Übersichtskarten illustrieren diesen Teil eindrucksvoll. In einem Beitrag von Dieter Hornig geht es um Verteidigungsmaßnahmen in und um Ludwigsburg, die auf einen möglichen Angriff ausgerichtet waren. Dabei steht die Zeit des 2. Weltkrieges naturgemäß im Mittelpunkt. Die Augenzeugenberichte veranschaulichen diesen Zeitabschnitt. Das Kapitel „Militärische Erinnerungsstätten“ demonstriert in besonderer Weise die große Sorgfalt des Autors, hat er doch nicht nur die vorhandenen Denkmale etc. sondern auch die abgegangenen erfasst. Im Kapitel „Straßen- und Flurnamen mit militärischem Bezug“ muss man schon auf Kleinigkeit hinweisen, dass die Stadt unverändert an der Schreibweise „Grönerstraße“ festhält, während Läpple sie in der (korrekten) Schreibweise (Groenerstraße) bringt. Zuzustimmen ist Läpple, dass es auf dem von ihm beackerten Feld eine Fülle von weiteren Forschungsprojekten gibt. Hier ist nicht nur die unbefriedigende Datenlage der US-Präsenz sondern auch die der Bundeswehr (sic) zu nennen. Mit seinem Werk jedoch hat er gerade noch rechtzeitig die Voraussetzungen dafür geschaffen, sich an diese komplexe und vielfältige Materie mit vertiefenden Einzelstudien zu wagen. Es ist zu wünschen, dass diese einzigartige Veröffentlichung kein Schlusspunkt sondern ein Startsignal ist. |
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| Karl J. Mayer, Napoleons Soldaten – Alltag in der Grande Armée, | ||||||
| 140 S., Primus-Verlag Darmstadt 2008 | ||||||
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Als 1812 der schwäbische Maurer Jakob Walter zusammen mit 500 000 Soldaten, darunter 15 000 Württemberger, nach Russland zieht, weiß er noch nicht, dass er zu den wenigen gehören wird, die von diesem Krieg Napoleons in die Heimat zurück kehren werden. Dieser glückliche Umstand sorgte dafür, dass uns seine eindringlichen Berichte über den Alltag des einfachen Soldaten erhalten geblieben sind. Der Autor des Buchs „Napoleons Soldaten“, erschienen in der Reihe „Geschichte erzählt“, erzählt die Kriege Napoleons genau aus dieser Perspektive. In drei Kernkapiteln · Wehrpflicht, Disziplin, Motivation · Auf dem Marsch und im Quartier · Essen, Trinken, Kleidung zeichnet der Autor ein plastisches Bild vom täglichen Geschehen ebenso wie von den Rahmenbedingungen, die den Dienst in den Revolutionskriegen und in den nachfolgenden napoleonischen Kriegen bestimmten. Zahlreiche Zitate aus Walters Bericht und aus denen weiterer gemeiner Soldaten illustrieren die Erlebniswelt besonders eindrucksvoll. Die Schilderung der politischen Ereignisse der damaligen Zeit ordnet das Soldatenleben in die großen historischen Zusammenhänge ein. Ein (knapper) Anmerkungsteil und ein Literaturverzeichnis runden eine insgesamt gelungene Darstellung ab. |
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Jürgen Reichardt, „Hardthöhe Bonn – Im Strudel einer Affäre“ |
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| Osning-Verlag, Bielefeld – Bonn, 2008, 184 Seiten | ||||||
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Es gibt nicht viele Berichte von Zeitzeugen, die sich mit der Bundeswehr beschäftigen (u.a. de Maiziére, „In der Pflicht“, Schmückle, „Mit Pauken und Trompeten“, Kießling, „Versäumter Widerspruch“). So ist das vorgelegte Buch des Generalmajors a.D. Jürgen Reichardt eine willkommene Quelle für eine Phase der Bundeswehr, die nicht nur nach der Einschätzung des Autors für die Streitkräfte bedeutsam war. Mit dem Regierungswechsel 1982 von Schmidt zu Kohl kann Manfred Wörner in das Amt des Bundesverteidigungsministers. Doch statt von ihm erwartete Reformen anzupacken, geriet er in eine der spektakulärsten Affären der Bundeswehr, die mit dem Namen des Viersternegenerals Kießling verbunden ist, aber auch ein wenig eine Wörner-Affäre war. Reichardt hat diese Zeit als Pressesprecher hautnah miterlebt. Die Subjektivität des Berichts steht dabei außer Zweifel, Reichardt bekennt sich auch dazu, auch wenn er bemüht ist, von ihm nicht geteilte Aspekte in die Betrachtung mit einzubeziehen. Sein Hauptanliegen jedoch, die Leistung und das Schicksal Wörners dem Leser nahe zu bringen und dessen Verständnis für das Handeln Wörners in der Kießling-Affäre zu wecken, dominiert letztlich alles. Reichardt führt den Leser eingangs durch wesentliche Stationen seines eigenen Werdegangs und flicht darin allgemeine Bemerkungen über die Lage der Bundeswehr ein. Dabei sind zeitliche Sprünge für den nicht sachkundigen Leser ein gewisses Problem. In die folgende tagebuchartige Schilderung der eigentlichen Affäre bindet der Autor immer wieder allgemeine Betrachtungen ein, z.B. über die Nachrüstung, den Amtswechsel von Apel zu Wörner und zur Spitzengliederung. So zeichnet er ein Lagebild, in das hinein die Affäre im Sinne des Wortes einbrach. Reichardt gelingt es durchaus, das Dilemma Wörners aufzuzeigen, dennoch bleibt es ein Wunder, dass Wörner diese Krise überstehen konnte und später noch die Position des NATO-Generalsekretärs bis zu seinem tragischen Tod erfolgreich wahrnehmen konnte. Erstaunlich und belebend sind Reichardts personenbezogene Schilderungen und Urteile, die man jedoch nicht immer teilen muss. Sie machen jedoch einen Teil der Lesbarkeit der Erinnerungen des Autors aus, auch wenn auch er die letzten Zusammenhänge und Hintergründe, die zu dieser Affäre geführt haben, schuldig bleiben muss. |
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| Achim Wohlgethan, „Endstation Kabul, Als deutscher Soldat in | ||||||
| Afghanistan – ein Insiderbericht“ | ||||||
| 2008, ECON, ISBN 978-3-430-20043-1, 300 Seiten, | ||||||
| farbige Abbildungen, 18,90 € | ||||||
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Erstmals liegen mit diesem Buch die Erlebnisse und Erfahrungen eines Soldaten im Auslandseinsatz vor. Der Autor, Achim Wohlgethan, war 2002, also am Anfang des Einsatzes der Bundeswehr, für 6 Monate in Kabul stationiert. Der Eindruck des Lesers bleibt von Anfang an zwiespältig: Zum einen erfährt man aus der Perspektive eines Unteroffiziers vieles aus dem Alltag. Das in einer Art Tagebuch abgefasste Werk beleuchtet die zahlreichen Facetten des Lagerlebens, der Lage der Bevölkerung und der psychischen Situation der Soldaten angesichts der ungewohnten Anforderungen. Da man damit allein ein Buch nicht verkaufen kann, greift der Autor zu zahlreichen Klischees. Soldaten werden von der Politik im Stich gelassen, Vorgesetzte sind häufig ahnungs- und arglos, Generale vorrangig auf geputzte Schuhe bedacht. Die Dichte dieser Vorurteile stimmt skeptisch, der Einzelfall soll gar nicht bestritten werden. Die Verwendungen des Autors in Afghanistan, die für die große Mehrheit der Soldaten untypisch sind, lassen ihn gute Eindrücke von Land und Leuten gewinnen. Allerdings bleiben die Bewertungen häufig an der Oberfläche oder sind sprachlich nicht optimal formuliert. Der große zeitliche Abstand zwischen Aufenthalt in Afghanistan (2002) und Erscheinen des Buches (2008) wirft die Frage auf, was an Mängeln den Anfängen des Einsatzes geschuldet ist. So taugt es jedenfalls nicht, wie der Verlag formuliert, die Diskussion um den Einsatz in ein neues Licht zu rücken. Erst ganz am Ende erfährt der Leser die Biografie des Autors, die Fragen dazu haben sich viel früher gestellt. Wer sich mit der Problematik des Landes und des Bundeswehreinsatzes intensiv beschäftigt, sollte auch Wohlgethan‘s Erlebnisse gelesen haben. Für ein ausgewogenes Urteil ist dieser „Insiderbericht“ jedoch nicht geeignet. |
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| E.S. Mittler & Sohn in Zusammenarbeit mit der Führungsakademie | ||||||
| der Bundeswehr, "50 Jahre Führungsakademie der Bundeswehr, | ||||||
| 1957 – 2007" | ||||||
| 2007, ISBN 978-3-8132-0881-8, 88 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 14,90 € | ||||||
| Skepsis wäre bereits geboten gewesen, wenn man den Titel dieser Veröffentlichung betrachtet – er hätte vielleicht in seiner Nüchternheit als Untertitel dienen können. Warnen müsste einen spätestens die Bildauswahl auf den Buchdeckelseiten. Sie sind dicht an der Irreführung, da von der Hauptaufgabe der Akademie (Merkel: „Aus und Fortbildungsstätte für den Führungsnachwuchs der Bundeswehr“) kaum etwas zu sehen ist. Vier Grußworte und ein Vorwort schüren noch einmal die Erwartungen, dann aber folgt die endgültige Klarheit: Dies ist nicht die erhoffte Geschichte einer Institution der Bundeswehr, die wie keine andere über die Aus- und Weiterbildung des Führungspersonals unter sich wandelnden Bedingungen die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, die Streitkräfte in der Demokratie zu verankern und in das atlantische Bündnis zu integrieren. Gerade einmal auf zwei Seiten reduziert sich unter dem Titel „Kleine Geschichte der Führungsakademie“ der Zeitraum der ersten 33 Jahre. Wenig bis Garnichts über die heftigen Auseinandersetzungen in den 60er und 70er Jahren, schamhaft versteckt die Ausbildung des Nachwuchses für den Generalstabsdienst. Statt dessen ein abenteuerlicher Satz, dem der damalige Kommandeur Admiral Wellershoff massiv widersprechen würde: “Eine erhebliche Weiterung des Ausbildungsangebotes der Akademie erfolgte im Nachgang der Belagerung (sic) der Führungsakademie der Bundeswehr durch die (sic) Angehörigen der Friedensbewegung, die Motor (sic) und Sprachrohr der zu dieser Zeit heftig geführten sicherheitspolitischen Debatte und Auseinandersetzung um den sogenannten (wieso eigentlich „sogenannt“?) NATO-Doppelbeschluss im Oktober 1983 war“. | ||||||
| Was ist die – zugegebener Maßen subjektive - Erwartung an eine Geschichte der Führungsakademie? Zuerst natürlich eine Analyse der Entstehung, der Veränderungen und Konflikte über den gesamten Zeitraum von 50 Jahren. Allein die erwähnte Strukturreform Mitte der 70er Jahre (an der u.a. der spätere Inspekteur des Heeres Willmann beteiligt war), bietet dazu viel Stoff. Dann lohnte sich, die Kommandeure in ihrem unterschiedlichen Wirken unter die Lupe zu nehmen. Eine exemplarische Betrachtung von de Maiziére, Dr. Wagemann und Wellershoff für die Zeit bis 1990 wäre eine sinnvolle Beschränkung gewesen. Schließlich wäre eine vergleichende Untersuchung mit früheren deutschen und heutigen alliierten Akademien sicher hilfreich gewesen. Vielleicht hätte man sich auch mit den z.T. namhaften Absolventen beschäftigen können, um den Einfluss der Lehre auf ihre Laufbahn zu untersuchen? (Hier fiele mir Altenburg zum Beispiel ein). | ||||||
| Was bekommt man stattdessen? Einen lesenswerten Brief von Publius Vergilius Maro (hinter dem sich der Militärdekan Langkamp verbirgt) zu dem Leitspruch der Akademie „Mens agitat molem“ -gelegentlich von den Lehrgangsteilnehmern verballhornt:“Mensch agiere mal“. Dann die bereits erwähnte „Kleine Geschichte“ , die dem Anspruch im Vorwort des Kommandeurs nie gerecht werden kann. Der Rest, von zwei Artikeln zum Standort Hamburg abgesehen, befasst sich mit der Zeit ab 1990, überwiegend in anonymen Artikeln, die einem Lagevortrag entnommen sein könnten. Und man bekommt auf 88 Seiten 17 Seiten Reklame wie man sie sonst nur von Magazinen gewohnt ist sowie eine Bildauswahl, die sich dem Leser nicht immer erschließt – bis hin zu einer abenteuerlichen Schirmmützendekoration eines Marineoffiziers (S.48). | ||||||
| Ein wenig wohltuend davon unterscheiden sich Namensartikel zu Clausewitz, den preußischen Heeresreformen und der Beitrag eines ehemaligen Kommandeurs (Reinhardt). | ||||||
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Leider zu wenig, um die Erwartungen an eine solche Veröffentlichung und ihren Anspruch zu erfüllen. |
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Bei den „glanzvollen“ Grußworten hätte die Akademie eine andere inhaltliche Würdigung verdient, und man wird hoffentlich keine weiteren 50 Jahre darauf warten müssen. |
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| Klaus Hornung, Alternativen zu Hitler – Wilhelm Groener, Soldat und | ||||||
| Politiker in der Weimarer Republik | ||||||
| 2008, ARES Verlag, ISBN 978-3-902475-41-1; 245 Seiten, S/W-Abb., 19,90 € | ||||||
| Wilhelm Groener (1867–1939) gehörte zu den erstaunlichsten Persönlichkeiten der Weimarer Republik. Schon im Kaiserreich hatte er als Chef des Kriegsamtes und stellvertretender Kriegsminister eine bedeutende Rolle gespielt. Kurz vor dem Ausbruch der Novemberrevolution 1918 wurde er als Nachfolger Ludendorffs zum Generalstabschef der Obersten Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg ernannt. Er wird zur treibenden Kraft des sogenannten Ebert-Groener-Bündnisses, mit dem sich die OHL der neuen Regierung der Volksbeauftragten zur Verfügung stellte, um die bolschewistische Revolution in Deutschland abzuwehren und den Rückzug der deutschen Armeen von der West- und Ostfront zu leiten. Im Kampf um den Versailler Vertrag spricht er sich für seine Annahme aus, um die deutsche staatliche Einheit zu bewahren. Er wird damit zur Zielscheibe der nationalen Rechten, obwohl er intern dafür eintritt, den Vertrag zu umgehen und sich von ihm auf längere Sicht zu befreien. | ||||||
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Die Studie schildert eingehend den Versuch Brünings und Groeners, das Verhängnis der nationalsozialistischen „Stimmzettelrevolution“ abzuwenden sowie die Ursachen des Scheiterns dieses Versuches. Nach dem Sturz der Regierung Brüning–Groener am 31. Mai 1932 verbringt Groener den Ausklang seines Lebens in Potsdam-Bornstedt, wo er am 31. Mai 1939 stirbt. Groener, vielfach verkannt und zu Unrecht weithin vergessen, stand als Exponent alternativer Möglichkeiten deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert zwei Mal, nämlich 1918/19 und 1930/32, im Zentrum des Geschehens. Klaus Hornungs Studie versucht, den umstrittenen Mann im Rahmen der Zeitgeschichte neu zu vergegenwärtigen. |
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Prof. Dr. Klaus Hornung war bis zu seiner Emeritierung 1992 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim. |
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| Konstanze von Schulthess, „Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg . | ||||||
| Ein Portrait“ | ||||||
| Zürich und München 2008, Pendo, ISBN 978-3-85842-652-9; | ||||||
| 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 19,90 € | ||||||
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Die Literatur über den Widerstand im 3. Reich füllt ganze Bibliotheken, über die betroffenen Familien und vor allem die Frauen hat man bisher wenig erfahren (Ausnahme: Meding, „Mit dem Mut des Herzens“). Nun hat mit Konstanze von Schulthess Rechberg , jüngstes Kind des Hitler-Attentäters Claus von Stauffenberg und seiner Frau Karoline („Nina“), eine von den Folgen des Umsturzversuchs unmittelbar Betroffene, eine beeindruckende Charakterstudie über ihre Mutter vorgelegt. Beeindruckend, weil es der Autorin gelingt, in nüchternem Stil die dramatischen Zeiten lebendig werden zu lassen und den Leser emotional anzurühren. Ausgehend vom 20. Juli 1944 – die Mutter eröffnet den beiden ältesten Söhnen am nächsten Morgen, dass ihr Vater in der Nacht zuvor hingerichtet worden ist – beschreibt von Schulthess in acht Kapiteln die Zeit vor dem Attentat und die nachfolgenden Ereignisse, die mit tragisch nur unzureichend beschrieben sind. Sie kann dabei auf die von ihrer Mutter verfasste umfangreiche Familienchronik zurück greifen, die geradezu eine Fundgrube für Familiengeschichte ist. In nüchternem Ton, ohne jedes Wehklagen, lässt diese eine Zeit aufleben, die bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Verdienstvoll aus historischer Sicht ist, dass von Schulthess die noch in jüngster Zeit vertretenen Vorstellungen, die Frauen der Widerstandskämpfer eher als nörgelnde, schwache Personen zu charakterisieren – um vielleicht die Männer umso heroischer darzustellen – für Nina von Stauffenberg eindrucksvoll widerlegt. So nüchtern das Buch ist, die „Persönliche Nachbemerkung“ macht deutlich, wie sehr auch nach mehr als 60 Jahren der Tod des Claus von Stauffenberg das Leben der Nachfahren bestimmt. Zahlreiche Photos und Dokumente bereichern den Band ebenso wie umfangreiche Anmerkungen. Enden die meisten Darstellungen des Widerstandes im 3. Reich mit dem 20. Juli 1944, so zeigt dieses Buch auf, dass es eine tragische Fortsetzung für die in Sippenhaft genommenen Familien gegeben hat. |
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Klaus Naumann, „Generale in der Demokratie – Generationsgeschichtliche Studien zur Bundeswehrelite" |
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| Hamburg 2007, Hamburger Edition, ISBN 978-3-93096-76-7; 383 S., 28 € | ||||||
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Im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten aus Anlass des 50jährigen Bestehens unserer Bundeswehr ist verhältnismäßig wenig von dem Personal die Rede gewesen, dessen beachtliche Leistung eine Voraussetzung dafür war, dass die neuen Streitkräfte – trotz aller Krisen und Skandale – eine „Armee in der Demokratie“ wurden: der Gründergeneration und hier vor allem dessen Führungspersonal. Es gibt erstaunlich wenige autobiographische Veröffentlichungen – gemessen an der Nachkriegszeit - und die Wissenschaft hat sich mit der militärischen Elite meist auch nur am Rande befasst. Mit seinem Buch „Elite im Halbschatten“ (siehe „Kameraden“ , Ausgabe Januar/Februar 2006, S. 32) hat Dieter E. Kilian einen Versuch unternommen, das Führungspersonal der Bundeswehr aus dem Dunkel zu zerren. Die Fülle des Materials ließ dabei wohl nicht zu, in die Tiefe zu gehen. Nun liegt mit den „generationsgeschichtlichen Studien“ von Klaus Naumann, Historiker und Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, eine Untersuchung vor, die auf drei sehr unterschiedlichen Wegen der Frage nachgeht, wer die Kerngruppe der Militärelite der Bundesrepublik war, die die (alte) Bundeswehr gegründet und bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gestaltet haben. Unter dem Titel „Offiziere ohne Armee – ehemalige Militärs im Vorfeld der Bundeswehrgründung“ analysiert Naumann im ersten Abschnitt bisher weitgehend unbeachtete Gruppenporträts von Offizieren, die 1950 am Frankfurter Institut für Sozialforschung entstanden sind. Im zweiten Abschnitt greift Naumann auf Gesprächsprotokolle des Sozialwissenschaftlers Hans Speier zurück, der zwischen 1952 und 1955 im Auftrag der RAND-Stiftung ehemalige Wehrmachtsgenerale zum Themenkreis der Wiederbewaffnung befragt hat. Im abschließenden Kapitel „Lebenskonstruktionen von Bundeswehrgeneralen“ , das den Hauptteil des Buches ausmacht, analysiert der Autor in fünf Interviews die Lebensgeschichte von Generalen, die in der Anfangszeit der Bundeswehr Soldat wurden. Der generationengeschichtliche Wandel und seine Kontinuitäten im Selbstverständnis der Generale wird deutlich in den nachvollziehbaren Kategorisierungen („Mittelgeneration“ um Jahrgang 1913, „junge Kriegsoffiziere“ um 1920, „Flakhelfer“ um 1928, „Kriegsjugend“ bis 1937 und schließlich die Generation der ersten Wehrpflichtigen ab 1938). Auch wenn die (veröffentlichte) Datenbasis der fünf Interviews schmal ist – Naumann hat insgesamt 12 Interviews geführt und deren Erkenntnisse in seine Analyse mit einfließen lassen – und man nicht jedem seiner Schlüsse zustimmen muss: Die Herkunfts- und Wirkungsgeschichte mit den drei Aspekten „Vergangenheitsbelastungen“, „Gewalterfahrung“ und „Neubeginn unter dem atomaren Dilemma“ gehören in unterschiedlicher Ausprägung zu den Lebensläufen der interviewten Generale, gleichgültig ob Jahrgang 1914 (der älteste) oder 1939 (der jüngste) und zeichnen ein Selbstbild, auf das die Geschichtsforschung nicht verzichten kann. Unter diesem Gesichtspunkt bedauert man besonders, dass vom ehemaligen Generalinspekteur Wolfgang Altenburg (einer der fünf interviewten Generale) keine autobiographische Veröffentlichungen vorliegen. Hervorzuheben ist das umfangreiche Literaturverzeichnis (von kleinen Mängeln abgesehen); verwundern muss den Leser, dass drei der fünf Interviewpartner -„aus Gründen des Personenschutzes und der Interpretationsfreiheit“ - in verschlüsselter Gestalt vorgestellt werden. Die Studien Naumanns sind ein wichtiger Beitrag auf die Frage, wie angesichts der Skepsis beim Aufbau der Bundeswehr - vor allem gegenüber dem Führungspersonal - letztendlich die neuen Streitkräfte erfolgreich in die pluralistische Gesellschaft und demokratische Staatsordnung integriert werden konnten. Ein lesenswertes Buch. |
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| Dieter E. Kilian, „Elite im Halbschatten – Generale und Admirale der Bundeswehr" | ||||||
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Bielefeld 2005, Osning Verlag, ISBN 3- 9806268-3-0, 559 Seiten, 28 € |
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Die Bundeswehr feiert ihr 50jähriges Bestehen. Sie blickt dabei auf eine unter dem Strich erfolgreiche Geschichte zurück. Dies ist auch der Leistung der „Topmanager“ der Bundeswehr zu danken. Ca. 1.500 Generale und Admirale haben in der Bundeswehr gedient. Sie sind die obersten Führer und Organisatoren sowie angesehene Repräsentanten in den internationalen Gremien. Zählen sie zur Elite des Landes? In der Öffentlichkeit blieben sie – von spektakulären Ereignissen und „Skandalen“ abgesehen - meist außerhalb des Scheinwerferlichts – von den Medien nur selten wahrgenommen. Wer sind sie? Wo kommen sie her? Wie war ihr Weg bis zu den „goldenen Sternen“? Der Autor, Oberst a.D. der Panzertruppe und Generalstabsoffizier mit internationalen Verwendungen, greift die brisanten und kritischen Grundfragen dieses Berufs auf. Er geht vor dem Hintergrund ausführlicher Lebensläufe und militärischer Werdegänge der 41 „Vier- und Fünfsterner“ - von Heusinger bis Foertsch, von Schneiderhan bis Schuwirth – mit bemerkenswerter Offenheit auf die kritischen und brisanten Aspekte ein. Ein Beispiel hierfür sind die Frage nach der Elite heute sowie die Frage nach dem Verhältnis von Politik und militärischer Führung in Deutschland. Vielleicht wären etwas weniger „Schmückle“-Zitate angebracht gewesen. Den Abschluss bildet ein Kapitel über die bisherigen Verteidigungsminister und - vor dem Hintergrund der Hauptereignisse ihrer Amtszeit – über ihr jeweiliges Verhältnis zur Bundeswehr und der militärischen Führung. Drei Dinge zeichnen dieses Buch besonders aus: Der souveräne Standpunkt des Autors, die gründliche Recherche und eine makellose, lebendige Sprache. Das macht das Buch zu einer spannenden Lektüre. Es ist ein außergewöhnlicher, aber auch dringend notwendiger Beitrag zur 50jährigen Geschichte der Bundeswehr – eine unverzichtbare Ergänzung der offiziellen Darstellungen. Der ehemalige Kommandeur der Heimatschutzbrigade 55 hat ein mutiges Buch geschrieben. |
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Baur, Tobias: Das
ungeliebte Erbe. Ein Vergleich der zivilen und militärischen Rezeption des 20.Juli 1944 im Westdeutschland der Nachkriegszeit. |
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| Frankfurt/Main: Peter Lang/Frankfurt 2007. ISBN: 978-3-631-56468-4; 305 S. | ||||||
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Anlässlich des 100. Geburtstages von Claus Schenk Graf von Stauffenberg (15.November 2007 ) wurde einem bewusst , wie normal man heute mit einem Ereignis umgeht, das in der unmittelbaren Nachkriegszeit – und teilweise darüber hinaus – heftige Diskussionen in Politik und Gesellschaft ausgelöst hat. Heute gehört der 20. Juli 1944 und der Widerstand im 3. Reich insgesamt zu den Grundbeständen der Tradition der Bundesrepublik Deutschland. So ist es verdienstvoll, dass Tobias Baur mit seiner vergleichenden Untersuchung der zivilen und militärischen Rezeption des Stauffenberg-Attentats an die Zeit erinnert, als über die Bedeutung, die Täter und ihr Tun ganz heftig gestritten wurde. Baurs Dissertation besteht aus zwei Abschnitten , der zivilen und militärischen Betrachtung des Themas und einer Bilanz. Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis beschließt die Arbeit. Die mit dem Jahr 1959 gewählte Zäsur ist zumindest für den militärischen Teil nachvollziehbar, da mit dem Aufruf des Generalinspekteurs zum 15. Jahrestag des 20. Juli die Diskussion in den Streitkräften zu einem vorläufigen Abschluss gekommen ist. Der Generalinspekteurbrief 1994 – aus Anlass des 40. Jahrestages – kann vielleicht als der endgültige Abschluss bezeichnet werden. Die vergleichende Betrachtung macht die Beschränkung auf den militärischen Widerstand notwendig. Ein sich gewiss lohnender deutsch-deutscher Systemvergleich verbietet sich angesichts des Untertitels ebenso. Die zivile Perzeptionsgeschichte wird in übersichtliche, inhaltlich und zeitlich definierte Abschnitte untergliedert und erleichtert so dem Leser den Zugang zu unterschiedlichen Diskussionsebenen. Thematisch gehören dazu u.a. die juristische Perspektive, die Gedenkkultur, die politischen Debatten, die Medien sowie der schulische Bereich. Insgesamt ergibt sich ein breit gefächertes Bild der Nachkriegsgesellschaft und ihrer Rezeption des militärischen Widerstandes. War die veröffentliche Meinung – vor allem nach dem 17. Juni 1953 – zunehmend positiv, so galt dies nach Baurs Untersuchung nicht für die Mehrheit der Deutschen. Sie stand dem Thema eher indifferent bis ablehnend gegenüber. Der „militärische“ Teil der Arbeit ist aufgrund der Quellenlage umfangreicher und durch die Einbeziehung von Zeitzeugen aussagekräftiger. Das chronologische Vorgehen ist ein „roter Faden“, den man im ersten Teil gelegentlich vermisst hat. Deutlich wird, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema naturgemäß in der Bundeswehr vehement geführt wurde, weil dies häufig auch ein Konflikt mit der eigenen Biografie war. Das Konzept der Inneren Führung und schließlich der Erlass „Bundeswehr und Tradition“ von 1982 schaffen schließlich die notwendige Klarheit. Auch wenn im Schlussabschnitt der Vergleich von militärischer und ziviler Rezeption kurz gerät, so vermag die Arbeit dennoch überzeugend darzustellen, dass es in der Bundeswehr früher und nachhaltiger gelungen ist, den 20. Juli 1944 als ein „Erbe der Freiheitlichkeit“ durchzusetzen und zum Grundtatbestand der Inneren Führung zu machen. Im zivilen Bereich blieb das Datum bis zum Ende des Untersuchungszeitraumes „ein weitgehend ungeliebtes und zunehmend fremdes Erbe“. Ein „zwiespältiges“ Ergebnis, das im Titel der Arbeit seinen Niederschlag hätte finden sollen. |
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| Sönke, Neitzel, "Abgehört - Deutsche Generale in britischer Kriegs- | ||||||
| gefangenschaft 1942 - 1945" | ||||||
| Berlin 2005, Ullstein Buchverlage, ISBN-10:3-549-07261-9. | ||||||
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Die ZDF-Fernsehreihe (5 Folgen) „Die Wehrmacht – Eine Bilanz“ hat die Aufmerksamkeit auf ein Buch gelenkt, das bereits seit 2005 vorliegt, aber bisher wohl eher unter Fachleuten besondere Beachtung gefunden hat. Die Ausgangsfragestellung des Autors Sönke Neitzel lautet kurz gefasst: „Die deutsche Generalität hat ihre Rolle im Dritten Reich weitgehend nach Ende des Krieges nicht kritisch reflektiert. Können die Abhörprotokolle deutscher Stabsoffiziere und Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft einen tieferen Einblick in die Gedanken- und Erfahrungswelt geben, als die umfangreiche Memoirenliteratur, die allzu häufig auch Rechtfertigung des eigenen Handelns gewesen ist?“ Das Buch berücksichtigt in 189 vorgelegten Dokumenten den gesamten Bestand an Lauschberichten deutscher Offiziere (mehr als 10 000 Seiten), die vom Sommer 1942 bis Herbst 1945 vorwiegend in Park Trent, einem Sonderlager, gefangen gehalten wurden. Hier wurden sie in entspannter Atmosphäre permanent belauscht, um nachrichtendienstlich verwertbare Informationen zu erhalten. Anfangs kamen die Gefangenen vom nordafrikanischen Kriegsschauplatz, später auch aus Frankreich, Belgien und Deutschland. Das Werk
gliedert sich in vier Abschnitte: In Verbindung mit einer ausführlichen Einleitung, den Biografien der Abgehörten und umfangreichen Fußnoten, die die Hintergründe der Dialoge verständlich machen, ist das Buch trotz der eher nüchternen Aneinanderreihung zahlreicher Gesprächsteile aufschlussreich und informativ. Interessant sind auch die Gruppenbildungen in Park Trent und die sehr unterschiedlich ausgeprägte Bereitschaft, sich mit seiner eigenen Erfahrungen und den Erkenntnissen während der Gefangenschaft auseinander zu setzen. Das Buch bestätigt eindrucksvoll, dass es keine Homogenität im Führerkorps der Wehrmacht gegeben hat. Es bestätigt erneut die Notwendigkeit, Pauschalurteile in der Beurteilung „der Wehrmacht“ zu vermeiden. Ein insgesamt sehr lesenswertes, stellenweise faszinierendes Buch. Der Autor: Sönke Neitzel, geboren 1968 in Hamburg, studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Publizistik und Politikwissenschaft in Mainz und wurde 1994 mit einer Dissertation über „Den Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939 – 1945“ promoviert. Von 1994 bis 1998 lehrte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 1999 als Hochschuldozent an der Johannes Gutenberg-Universität. 2001 war er Gastdozent an der University of Glasgow. 2002 bis 2005 vertrat er eine Professur für Zeitgeschichte und den Lehrstuhl für Neueste Geschichte in Mainz. Seit März 2005 außerplanmäßiger Professor. |
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