Museum   Bedeutung der Torhäuser    
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Die Stadtmauer, die Stadttore und die Torhäuser (ursprünglich Torwachthäuser) bildeten eine geschlossene Einheit. Der Bau der Stadtmauer wurde 1758 begonnen und im Wesentlichen 1760 abgeschlossen.

Die Stadtmauer war nicht zur Verteidigung gegen einen Feind von außen gedacht, sondern zur Verhinderung von Desertionen der in der Stadt (meist gegen ihren Willen) kasernierten Soldaten.

Die etwa sechs Kilometer lange und etwa 3 ½  m hohe Stadtmauer hatte sieben Stadttore (eine Toranlage bestand aus einem Haupttor und Nebentoren) an den Straßen nach Stuttgart, Leonberg bzw. Pflugfelden, ins Osterholz, nach Bietigheim bzw. Asperg, Marbach, Schorndorf und Aldingen.

In den Torhäusern  befanden sich das Wachtlokal der Torwache und die Wohnung des Torschreibers oder Torwarts, der die Torschlüsselgewalt innehatte.

Die Torwache und weitere an der Stadtmauer eingesetzte Posten wurden von den in Ludwigsburg stationierten Truppen gestellt. Die Aufgabe der Torwache bestand neben der Unterstützung des Torwarts aus Repräsentationspflichten und der Kontrolle der Passanten.

Hausherr im Torhaus war der Torschreiber oder Torwart. Als alleiniger Hüter der Torschlüssel und Eintreiber staatlicher Zölle (z.B. für Wein oder Bier) und städtischer Abgaben (z.B. Pflastergeld) nahm er herrschaftliche und städtische Interessen wahr und wurde auf eine eigene Dienstvorschrift vereidigt.

Das Pflastergeld war ein in früheren Zeiten übliches Wegegeld, das eine Stadt für die Benutzung ihrer Straßen erheben durfte. Es musste für Personen, Fuhrwerke und Tiere gezahlt werden. 1817 wurde der Betrieb der Torhäuser privatisiert, d.h. die Torwarte arbeiteten als Subunternehmer auf eigenes Risiko. Jeweils auf ein Kalenderjahr wurden der Schließdienst im Torhaus und der Einzug des Pflastergeldes öffentlich im Rathaus an den Meistbietenden versteigert.

Das Pflastergeld wurde in Ludwigsburg erst 1912 abgeschafft.

(nach: Günther Bergan, „Die Kriegsmacht zu stützen, die Bürger zu schützen ...“

Torhäuser, Tore und Stadtmauer von Ludwigsburg, Ludwigsburger Geschichtsblätter 58/2004)

   
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    Baugeschichte des Asperger Torhauses
(ehem. Osterholztor)
   
   

Im Juli 1760 wurde der Auftrag zum Bau eines Torhauses an der Allee zum Osterholz und zur Fasanerie erteilt, nachdem der Bau der Torhäuser des Stuttgarter, Aldinger, Pflugfelder und Schorndorfer Tores bereits im April 1760 begonnen hatte. Maurermeister Georg Michael Mack erhielt den Zuschlag für die Maurerarbeiten mit dem Ziel der Fertigstellung Mitte 1761. Da sich seine Arbeit am Pflugfelder Torhaus jedoch verzögerte, übertrug man den Auftrag an Georg Thomas Zingerle.

Der Entwurf von Baumeister Johann Adam Groß d. J. sah ein etwa 17 m langes und 9 m breites eingeschossiges Gebäude mit einer Arkadenvorhalle und einem ausgebauten Mansardenwalmdach vor. Fünf gleich große Korbbögen auf der Längsseite sowie je ein Bogen auf den Stirnseiten bildeten die fast drei Meter tiefe, offene Vorhalle. Der Haupteingang zur großen Wachtstube lag im Zentrum hinter dem mittleren Bogen. Außen befanden sich zwei kleinere Türen, links der Eingang zur Offizierwachtstube, rechts der Eingang zum Treppenhaus. Eines der Fenster der Offizierwachtstube lag außerhalb, eines innerhalb der Stadtmauer, so dass der Wachtoffizier das Geschehen außerhalb und innerhalb des Tores beobachten konnte. Zwischen Offizier- und großer Wachtstube befand sich ein Arrestantenraum. Eine Blocktreppe führte ins Dachgeschoss und von dort eine einfache Treppe auf die Bühne. Im Treppenhaus befanden sich die Latrinen, streng getrennt nach Dienstgraden: eine einzelne für den wachthabenden Offizier und eine mehrfache für die Mannschaften. Im Dachgeschoss lagen neben mehreren Kammern die Wohnung und der Dienstraum des Torschreibers. Zwölf mit Blech beschlagene Mansarden versorgten das Dachgeschoss mit Tageslicht. Ursprünglich waren die Torhäuser nicht unterkellert.

Die Stadtmauer, Toranlagen und Torhäuser waren Staatseigentum. Als 1817 die Tore und Torhäuser in städtischen Besitz übergingen, wurde neben anderen auch das Asperger Torhaus umgebaut. In die neue Wohnung im Erdgeschoss zog der Torwart und Pflastergeld-Beständer ein, im Dachgeschoss wurden zwei Mietwohnungen eingerichtet.

Die schon 1820 zerfallene Toranlage wurde 1894 abgebrochen, als auf der anderen Seite der Asperger Straße das Kasino für das Ulanenregiment 20 gebaut wurde.

Von 1871 bis 1960 beherbergte das Torhaus das Eichamt. In den 1870er Jahren erhielt das Gebäude eine Außentreppe zu den Wohnungen im Dachgeschoss. 1960 bis 1990 war im Erdgeschoss eine öffentliche Bedürfnisanstalt untergebracht.

Im Spätsommer 2003 begannen Sanierung und Umbau des Asperger Torhauses im Rahmen des Torhausprogramms der Stadt Ludwigsburg.

(nach: Günther Bergan, „Die Kriegsmacht zu stützen, die Bürger zu schützen ...“

Torhäuser, Tore und Stadtmauer von Ludwigsburg, Ludwigsburger Geschichtsblätter 58/2004)

   
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
     

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