Garnisonmuseum Ludwigsburg Militärgeschichtliche Gesellschaft Ludwigsburg e.V.
Garnisonmuseum LudwigsburgMilitärgeschichtliche Gesellschaft Ludwigsburg e.V.

Gangl-Chronik

Auf dieser Seiter veröffentlichen wir, in loser Folge, Seiten und Themen aus der Gangl-Chronik.

Seite 79

Verwundung und Tod  

 

Schon sehr früh wird die Batterie mit dem Tod konfrontiert: Unteroffizier Dengler fällt am 23. Juni 1942 bei Altuchowo. Auf Seite 39 ist ihm in der Chronik eine ganze Seite gewidmet. Zahlreiche Tote und Verwundete hat es in der Batterie bei der Schlacht bei Tschikrjak am 5. und 6. Juli 1942 und beim folgenden Einsatz bis zum 18. Juli 1942 gegeben (Seiten 77-81).

 

Die Verluste der Werferbatterie sind so hoch, weil diese wenige Kilometer hinter der Infanterie eingesetzt wird und bei einem Durchbruch des Gegners unmittelbar gefährdet ist. Gelingt kein schneller Stellungswechsel nach dem Abschuss der Salven, kann der Feind die Werfer mit gezieltem Feuer bekämpfen.

 

Batteriechef Gangl wird beim Erkunden einer B-Stelle durch Granatsplitter verwundet (Seite 201).

 

Über die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten der Batterie gibt es keine Hinweise.

Seite 75

Symbole und Abzeichen

„Der Soldat muß sich können fühlen.

Wers nicht edel und nobel treibt,

Lieber weit von dem Handwerk bleibt.

Soll ich frisch um mein Leben spielen,

Muß mir noch etwas gelten mehr“.

 

Friedrich Schiller, Wallensteins Lager, 11.Auftritt

 

Rituale, Sitten und Gepflogenheiten gehören zum Brauchtum. Sie spiegeln militärische Verhaltensweisen und Formen. Die Chronik verweist auf zahlreichen Seiten, welche Bedeutung sie für die Werfer-Batterie hatten.

Die Titelseite der Chronik zeigt das erst später geschaffene Abzeichen der Werfer-Batterie LIII (Seite 75). Auch das Liedgut (Seite 97/99, siehe entsprechende Kommentierung) gehört zu den soldatischen Gebräuchen.

 

Tradition braucht Symbole, Zeichen und Zeremonielle. Sie prägen das Bild der Bundeswehr in Staat und Gesellschaft. Viele überlieferte Rituale, Sitten und Gepflogenheiten sind nicht Tradition, sondern gehören zum Brauchtum. Sie spiegeln militärische Verhaltensweisen und Formen. Meist haben sie sich vor langer Zeit herausgebildet. Sie stehen stellvertretend für den historischen und militärischen Kontext, der sie hervorgebracht hat oder der ihnen zugeschrieben wird. Als Überlieferung auf vornehmlich emotionaler Ebene können Symbole, Zeichen und Zeremonielle auf das Traditionserbe der Bundeswehr verweisen und dazu beitragen, es zu bewahren.

„Mit Umrandung auf grüner Tuchunterlage, Blütenblätter silbergrau und Blütengrund gelb in Textilfarben gestickt, Umrandung in Metallfäden, Chromfarben gestickt. Dieses Abzeichen wird von allen Dienstgraden in der Gebirgstruppe am Rock, an der Dienstbluse, an der Berg-Skibluse und am Mantel zu tragen sein“.

 

Das ursprünglich aus der österreichischen Gebirgstruppe stammende Emblem gelangte als militärisches Symbol während des Ersten Weltkrieges nach Deutschland.

Mützenabzeichen "Edelweiß"

Von besonderer Bedeutung ist für die Angehörigen der Batterie, dass sie das Edelweiß tragen dürfen.

Seite 101

Beförderungen

Neben den Auszeichnungen waren die Beförderungen für die Moral von großer Bedeutung, zumal sie auch eine Aufbesserung des Gehalts bedeuteten. In regelmäßiger Folge, häufig am Quartalsbeginn, finden Beförderungen von Mannschaften, Unteroffizieren und Offizieren statt. Die Zuständigkeit liegt in der Regel bei dem Regiment, dem die Batterie zugeordnet ist, bei den Offizieren ist es das Heerespersonalamt. Auf Seite 101 erfolgen Beförderungen zum Gefreiten (Winkel) und zum Oberschützen (Stern).

Seite 247

Die letzten Beförderungen finden am Tag der Auflösung der Batterie statt.

Seite 83

Soldatenheime

„Das Soldatenheim ist eine Fürsorgeeinrichtung  derWehrmacht zur Gestaltung der Freizeit und der Betreuung der Truppe. [...] Insbesondere Ausländern ist der Zutritt strengstens verboten. Für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sind die Heimleiterin und der Rechnungsführer verantwortlich. Ihren diesbezüglichenAnordnungen ist widerspruchslos Folge zu leisten“.

Auszug aus der Heimordnung für ein Soldatenheim

 

"Versorgung und Kontrolle" gingen im Fronturlauberverkehr Hand in Hand. Im besetzten Europa existierte ein "weitverzweigtes Netz von zeitweise mehr als 800 Soldatenheimen", die der Unterbringung der Durchreisenden dienten und als "Horte geistiger Truppenbetreuung konzipiert" waren.

 

Julia Paulus / Marion Röwekamp (Hrsg.):
Eine Soldatenheimschwester an der Ostfront:
Briefwechsel von Annette Schücking mit ihrer Familie (1941-1943)
Ferdinand Schöningh Verlag, Münster 2015
660 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-506-78151-2

Seite 233

Hilfswillige (Hiwis)

 

Als Hilfswillige, kurz HIWI

(auch HiWi oder Hiwi), wurden

während des Zweiten Weltkrieges 

Hilfskräfte innerhalb der deutschen 

Wehrmacht und der SS bezeichnet, die aus den Reihen der Bevölkerung im besetzten Gebiet der Sowjetunion 

rekrutiert wurden. Die sogenannten Hilfswilligen bestanden nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 aus ehemaligen Rotarmisten, die anfangs innerhalb deutscher Formationen der Wehrmacht zur Errichtung von Verteidigungsanlagen und anderen Arbeiten eingesetzt wurden. Für sie bot sich damit eine Möglichkeit, den katastrophalen Bedingungen in den Gefangenenlagern zu entkommen und zu überleben. Als die deutschen Verbände an der Ostfront zunehmend schwächer wurden, wurden die Hilfswilligen vor allem im Bereich der Heeresgruppe Mitte auch in bewaffneten Einheiten eingesetzt, allerdings vorwiegend mit Besatzungsaufgaben betraut.

 

Etwa 800.000 bis 1 Million Einwohner der Sowjetunion, auch aus der Zivilbevölkerung, dienten in Verbänden der Wehrmacht, rund 200.000 waren innerhalb des Polizeidienstes tätig. Weitere Hunderttausende sowjetische Bürger arbeiteten für die Besatzungsmacht, in deutschen Verwaltungsstellen, Wirtschaftsbetrieben, als LKW-Fahrer und Transportarbeiter in der Legion Speer oder innerhalb der Reichsbahn.

 

Unter den Bedingungen eines „Vernichtungskrieges“ ist es dabei schwierig, zwischen tatsächlich vorhandener, rein freiwilliger, Kollaborationsbereitschaft und einer quasi Zwangsarbeit zu differenzieren. Die Hilfswilligen stammten hauptsächlich aus der Ukraine, Weißrussland und dem Kaukasus.

 

Auf Seite 233 der Chronik werden Hilfswillige der Batterie (Peter, Iwan und die Kraftfahrer Wassil, Alex, Alfons und Nikolei) erwähnt.

 

Literatur:

Werner Röhr (Hrsg.): Okkupation und Kollaboration. (1938 – 1945). Beiträge zu Konzepten und Praxis der Kollaboration in der deutschen Okkupationspolitik (= Europa unterm Hakenkreuz. Erg.-Bd. 1). Herausgegeben vom Bundesarchiv. Hüthig, Berlin u. a. 1994, ISBN 3-8226-2492-6.

Seite 213

Organisieren

„Die Versorgung beeinflusst alle Schlachten und entscheidet viele“.

Dwight D. Eisenhower

 

Anfangs lief der Nachschub offensichtlich problemlos, so erhält die „schwarze“ Batterie z.B. neue Zugmaschinen. (Seite 109). Auch die Verbrauchsgüter – vor allem Munition und Kraftstoff – sowie die Verpflegung, scheinen ausreichend vorhanden. Erst auf dem Rückzug ab Juni 1943 spricht der Chronist vom „Organisieren“. Dies heißt für den Soldaten „Beschaffen außerhalb des Versorgungsweges“. Mangel an Kraftstoff und Verpflegung spielen eine große Rolle.

Natürlich wird die Verpflegung auch aus dem Land beschafft und z.B. durch die Jagd aufgebessert (Seite 129). Nachschubprobleme an Waffen, Gerät, Munition und Treibstoff dürften ein wesentlicher Grund für die Auflösung der Batterie gewesen sein.

Logistik ist das vielleicht am meisten unterschätzte Gebiet der Kriegsführung. So wichtig moderne Waffen, Fahrzeuge und schlagkräftige Truppenverbände sind: Wenn es an Munition für Gewehre und Kanonen fehlt, an Sprit für Panzer und Flugzeuge, an geeigneter Kleidung und natürlich an Nahrung für die Soldaten („Ohne Mampf kein Kampf“), wird jedes Heer unterliegen. Das Versagen der Logistik spielt sich für die Batterie ab Ende Oktober 1942 in unmittelbarer Nähe ab: Der Wehrmacht gelingt es nicht, die Truppen im Kessel von Stalingrad für den Winter mit dem Nötigsten zu versorgen.

Seite 111

Lied und Gesang

 

Lied und Gesang spielen in der Batterie eine große Rolle. So wird auf Anregung des Chefs das Werferlied komponiert (Seite 97/99) und wiederholt wird die Sangesfreude der Batterie erwähnt (Seite 111, 156, 209 und 217).

 

Ein Soldatenlied ist ein Lied, das im Militär zumeist ohne Instrumentenbegleitung gesungen wird. Soldatenlieder sind oft Marschlieder, in deren Takt sich gut marschieren lässt und die daher auch beim Marsch gesungen werden.

Einige deutsche Soldatenlieder aus dem 19. Jahrhundert sind, wie auch alte Seemannslieder, in ihrer Melodie an Kirchenlieder angelehnt, so zum Beispiel "O Deutschland hoch in Ehren". Die Texte sind volkstümlich. Meist sollen die Lieder Kurzweil und Mut bereiten und das Kameradschaftsgefühl stärken – ob auf dem Marsch, im Gefecht oder im Lager. Neben zeitlosen Themen wie Liebe, Heimweh und Naturerlebnis haben einige Lieder auch propagandistische Bedeutung, vor allem in den Armeen totalitärer Staaten, wo der gemeinschaftliche Gesang auch die emotionale Bindung der Soldaten an den Herrscher und/oder die staatliche Ideologie festigen sollte.

 

Beispiele für deutsche Soldatenlieder sind "Ein Heller und ein Batzen", "Es ist so schön Soldat zu sein", 

"Morgenrot",   und "Ich hatt' einen Kameraden" (Der gute Kamerad) oder "Argonner Wald".

Seite 83

Hygiene im Feld 

 

Aus dem Bericht eines Truppenarztes

aus dem Jahr 1941:

„An Waschen und Wäschewechsel ist nicht zu denken, sodass wir bald völlig verlaust waren. Wenn wir mal abends dazu kamen unsere Hemden auszuziehen, sah es aus wie ein Ameisenhaufen. Der große Nachteil war, dass uns nachts die Wanzen sehr zusetzten, sie kamen hinter den Zeitungen, die als Tapete dienten, hervor oder ließen sich als „Fallschirmjäger“ von der Decke fallen“.

 

Läuse, Flöhe und Wanzen werden als Dauerbegleiter genannt (S.83). Die Entlausung gehörte zu den Pflichtübungen vor Antritt eines Urlaubs. Zusätzlich war der Vermerk „Keine Anzeichen von Infektions- und Geschlechtskrankheiten. Läusefrei“ auf dem Urlaubsschein notwendig.

 

Die Chronik erwähnt den Bau eines Bades (S.63), das auch gerne von Vorgesetzten genutzt wird. Die Badewanne spielt für Gangl eine besondere Rolle. Sie findet u.a. Erwähnung in seinem persönlichen Tagebuch von der Zeit an der Westfront 1944/45. Als am 5. Mai 1945 der Angriff von SS-Soldaten auf Schloss Itter beginnt, sitzt Gangl in der Badewanne (S.277).

Seite 85

Auszeichnungen spielen in der Chronik eine große Rolle. 

 

Am 28. Juli 1942 verleiht Oberleutnant Gangl die Eisernen  Kreuze I. und II. Klasse (S.85). Sie gehörten zu den wenigen Auszeichnungen, die der Wehrmacht mit Kriegsbeginn zur Verfügung standen. Dazu kamen die weiteren Stufen des Eisernen Kreuzes (Ritterkreuz und Großkreuz) sowie das im Ersten Weltkrieg eingeführte Verwundetenabzeichen. Am Kriegsende gibt es ein vier Seiten langes Register an Auszeichnungen der Wehrmacht (siehe Scherzer, Das Auszeichnungssystem der Wehrmacht).

 

Am 12.9.1942, am Tag seines Geburtstages, verleiht Gangl neben anderen Auszeichnungen,

das Kriegsverdienstkreuz (S.115). Gestiftet nach dem Polenfeldzug 1939, sollte es für Verdienste, die nicht mit dem Eisernes Kreuz ausgezeichnet werden konnten, verliehen werden. Dies galt vor allem den Rückwärtigen Diensten. Am gleichen Tag verleiht er das Band zur Medaille Winterschlacht im Osten. Soldaten erhielten es, wenn sie zwischen dem 15.November 1941 und dem 15. April 1942 mindestens 14 Tage an Gefechten teilgenommen hatten.  

Das Sturmabzeichen wurde verliehen an Waffengattungen, die mit der Infanterie oder Panzern gemeinsam kämpften. Wachtmeister Hammer erhält diese Auszeichnung am 22. November 1942 (S.121).

Schließlich erfolgte noch die Verleihung des Kraftfahrbewährungsabzeichens. (S.216) Voraussetzung war die Bewährung unter besonders schwierigen Bedingungen in bestimmten Kriegsgebieten.

Es konnte auch an ausländische Freiwillige (sog. Hiwis) verliehen werden (S.233).

 

Gangl selbst hat die Medaille Winterschlacht im Osten 1941/1942, das EK II, das EK I,

das Verwundetenabzeichen in Schwarz und das Deutsche Kreuz in Gold erhalten. Letzteres wird zwischen Eisernem Kreuz und Ritterkreuz eingeordnet.

 

Veit Scherzer, Das Auszeichnungssystem der Wehrmacht, Bayreuth:  Verlag Scherzer 2015, 255 S.,

EUR 39,00

[ISBN 978-3-938845-62-2]

Seite 71

Freizeitgestaltung

Die bekannte Formulierung „Der Soldat ist immer im Dienst“ gilt natürlich besonders im Krieg. Der Zweite Weltkrieg war jedoch keine Folge ununterbrochener Kriegshandlungen.

In den Tagen und Wochen ohne Gefecht kam neben der Vervollkommnung der Ausbildung und der Einarbeitung von Ersatz, der Freizeitgestaltung eine besondere Rolle zu. Neben dem Heimaturlaub diente sie dazu, die Motivation der Truppe zu festigen und für Ablenkung im „normalen“ Alltag des Soldaten zu sorgen.

 

In der Chronik erfahren wir nur gelegentlich über die Art der Beschäftigung der Soldaten in ihrer freien Zeit. So gehörte sicher das Schreiben von Briefen dazu, aber außer der Feldpostnummer (S. 51) erfahren wir davon nichts. Auf Seite 71 wird ein Biwak geschildert, das offensichtlich nichts mit einem Einsatz zu tun hat. Gesellige Veranstaltungen (S.83) und Singen – es wird sogar ein Werferlied (S.99) geschaffen – gehören natürlich zum „Alltag“ im Krieg. Der Batteriechef geht gelegentlich zum Jagen, auch um den Speiseplan etwas aufzubessern. Auf S.179 wird mit Tennisspielen eine weitere Möglichkeit der Freizeitgestaltung erwähnt.

 

Auf die Rolle der Soldatenheime in diesem Zusammenhang wird gesondert eingegangen.

Seite 221

Partisanenkampf

Im September 1943 erwähnt die Chronik erstmals die sowjetischen Partisanen (Seite 221 und auf den Seiten 231, 235). Stalin hatte bereits nach dem Überfall auf die Sowjetunion die Bevölkerung in den besetzten Gebieten zu einem umfassenden Volkskrieg aufgerufen. Doch verhielten sich Teile der Zivilbevölkerung anfänglich noch abwartend oder sogar tendenziell freundlich den Deutschen gegenüber. Vor allem die Bevölkerung des Baltikums und viele Ukrainer begrüßten die Wehrmacht als Befreier vom stalinistischen Regime. Das harte Besatzungsregime, vor allem im Hinterland, und die wirtschaftliche Ausbeutung führte zu einer intensiven Partisanentätigkeit und zu militärischen Strukturen. Insgesamt beteiligten sich 200000 Russen am Partisanenkampf.

 

Während der sowjetischen Sommeroffensive 1943 erreichten diese Sabotageakte besonders im Bereich der Heeresgruppe Mitte ihren Höhepunkt. So beeinträchtigten die Partisanen die Verbindungslinien und damit die Versorgung der deutschen Truppen mit Personal und Gerät erheblich. Aber auch die sowjetischen Truppen, die auf ihrem Vormarsch in großem Umfang die Bahn als Transportmittel nutzten, hatten unter diesen Zerstörungen zu leiden. Daneben banden die Partisanen eine größere Zahl an deutsche Einheiten, da ihre Überfälle und Sabotageakte stark erhöhte Sicherungsmaßnahmen erforderlich machten.

 

Siehe auch:

Phoenix – „Die Partisanen – Krieg hinter der Front“

 

Partisanenkrieg im Osten

 

"Das Brjansker Gebiet unter der Besatzungsherrschaft der Wehrmacht 1941 bis 1943" Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades

Seite 53

Dienstaufsicht im Krieg

Die Werferbatterie LIII erhält häufig Besuch von Vorgesetzten im Rahmen der Dienstaufsicht. Die Besuche der Kommandierenden Generäle des Armeekorps LIII, Ernst-Heinrich Clößner (S. 45 und 47) und Friedrich Gollwitzer (S.119) sind ungewöhnlich. Grund dafür ist, dass die Batterie Heerestruppe ist und im Rahmen eines Armeekorps „überall dort eingesetzt wird, wo Not am Mann ist“. Da die Werfertruppe eine sehr junge Truppengattung ist und die Batterie neuaufgestellt wurde, werden die Kommandierenden Generäle sich wohl in erster Linie für die Leistungsfähigkeit der Einheit interessiert und Fürsorgeaspekte (Frage nach dem Heimaturlaub) sowie die Förderung der Motivation der Truppe in den Vordergrund gestellt haben. Die „normale“ Dienstaufsicht - wie sie z.B. vom Oberst auf Seite 53 ausgeübt wurde – befasst sich mit konkreten Mängeln in der Ausbildung und deren Abstellung. Die Reaktion des Obersten auf den „vorlauten“ Wachtmeister Hammer erscheint jedoch etwas humorlos.

In Phasen geringer Aktivitäten an der Front wird die Zeit für Ausbildung und Übungen genutzt. In der Zeit hat auch die Dienstaufsicht „Konjunktur“. Sobald das Geschehen auf dem Kriegsschauplatz dominiert, hat diese Art von Dienstaufsicht ausgedient. Die höheren Vorgesetzten wollen dann mit ihrer Anwesenheit unmittelbar Einfluss auf das Geschehen nehmen und das Durchhaltevermögen der Truppe stärken.

Seite 117

Ferntrauung im Krieg

Auf der Seite 117 - und in geringerem Umfang auf den Seiten 122 und 159 - berichtet der Chronist von der Ferntrauung von Batterieangehörigen

mit humorvollen Anklängen im Text

und in der Zeichnung.

 

Die Ferntrauung war seit dem 4.November 1939 für Wehrmachtsangehörige, die

„an einem Krieg, einem kriegsähnlichen Unternehmen

oder einem besonderen Einsatz teilnahmen“ und ihren Standort verlassen haben, möglich.

 

Der Wehrmachtsangehörige musste eine Willenserklärung zur Niederschrift beim Bataillonskommandeur abgeben. Zusätzlich notwendig waren eine eidesstattliche Erklärung über die arische Abstammung und die Heiratsgenehmigung des Oberkommandos der Wehrmacht für das Standesamt. Ein Aufgebot war nicht erforderlich. Die Trauung fand in jeweils sich ändernden Zeiträumen seit der Erklärung des Mannes im heimatlichen Standesamt vor zwei Trauzeugen statt. Umgangssprachlich wurde diese Ferntrauung als „Stahlhelmtrauung“ oder „Trauung mit dem Stahlhelm“ bezeichnet, da bei der Zeremonie im Standesamt ein Stahlhelm an die Stelle gelegt wurde, die ansonsten der Bräutigam eingenommen hätte (siehe Beispielfoto).

Die Ehe wurde in dem Zeitpunkt wirksam, in dem die Frau ihren Willen, die Ehe einzugehen, vor dem Standesbeamten erklärte. Dies galt auch, wenn der Mann zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Die Ehe galt dann als an dem Tag zustande gekommen, an dem der Mann seinen Willen, die Ehe einzugehen, zur Niederschrift erklärt hatte. Ansonsten übersandte der Standesbeamte dem Mann eine gebührenfreie Heiratsurkunde, aus der der Umstand der Ferntrauung nicht ersichtlich war. Aus dem bei der Eheschließung zu eröffnenden Blatt im Familienbuch war jedoch ersichtlich zu machen, dass die Ehe in Abwesenheit des Mannes geschlossen worden war.

Ferntrauung, ein Stahlhelm nimmt den Platz des Bräutigams ein.
Seite 183

Heimaturlaub oder auch Fronturlaub

Auf Seite 183 der Chronik erkundigt sich der General der Infanterie und KG des LIII Armeekorps Friedrich Gollwitzer bei einem Dienstaufsichtsbesuch nach dem Urlaub der Soldaten. Die Antwort stellt ihn offensichtlich zufrieden.

 

Der Heimaturlaub unterlag im Zweiten Weltkrieg häufig wechselnden Vorschriften.  Gemäß einer Urlaubsregelung vom März 1940 hatte jeder Soldat" theoretisch die Möglichkeit, zwei- bis dreimal oder sogar noch öfter im Jahr nach Hause zu fahren". Gleichzeitig regelten laufend der Lage angepasste Quoten, wie viele Soldaten in Urlaub gehen durften. Selbst die Soldaten im Osten sollten laut einer Verordnung vom Oktober 1942 "einmal im Jahr einen zusammenhängenden Heimaturlaub von 20 Tagen erhalten", wobei die Reisetage nicht auf den Urlaub angerechnet werden durften. Auch wenn es sich dabei um einen "Richtwert ohne Rechtsanspruch" handelte und diese recht großzügig anmutenden Regelungen spätestens mit der alliierten Landung in der Normandie rasch zurückgenommen wurden - offensichtlich versuchte die Wehrmachtsspitze aus den Fehlern im Ersten Weltkrieg zu lernen: Es herrschte Einigkeit über die Bedeutung einer "gerechten" Urlaubsvergabe "als Stimulans für die Moral der Truppe".

 

Auf dieses Buch dürfen wir hinweisen:

  • Christian Packheiser: Heimaturlaub: Soldaten zwischen Front, Familie und NS-Regime.
  • Göttingen: Wallstein 2020
  • ISBN 978-3835336759
Kriegsurlaubschein, 1940

Aktuell

Der Vortrag fällt leider aus

Mittwoch, 01.12.2021,

19:00 Uhr

"Die französische Fremdenlegion - gestern und heute"

 

Ein Vortrag von Gerhard H.-J. Linden, MGLB e.V.

 

Die Plätze im Museum sind, Corona bedingt, begrenzt, bitte nach Möglichkeit anmelden!

Gangl-Chronik kommentiert

Leseempfehlung

"Fröschweiler Chronik"

Infos dazu finden Sie in

Buchbesprechung

Hier finden Sie uns:

Garnisonmuseum Ludwigsburg
Asperger Str. 52
71634 Ludwigsburg

Kontakt

Mailen Sie uns einfach an unter info@garnisonmuseum-ludwigsburg.de

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Militärgeschichtliche Gesellschaft Ludwigsburg e. v.