Garnisonmuseum Ludwigsburg Militärgeschichtliche Gesellschaft Ludwigsburg e.V.
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Gangl-Chronik

Auf dieser Seiter veröffentlichen wir, in loser Folge, Seiten und Themen aus der Gangl-Chronik.

Seite 221

Partisanenkampf

Im September 1943 erwähnt die Chronik erstmals die sowjetischen Partisanen (Seite 221 und auf den Seiten 231, 235). Stalin hatte bereits nach dem Überfall auf die Sowjetunion die Bevölkerung in den besetzten Gebieten zu einem umfassenden Volkskrieg aufgerufen. Doch verhielten sich Teile der Zivilbevölkerung anfänglich noch abwartend oder sogar tendenziell freundlich den Deutschen gegenüber. Vor allem die Bevölkerung des Baltikums und viele Ukrainer begrüßten die Wehrmacht als Befreier vom stalinistischen Regime. Das harte Besatzungsregime, vor allem im Hinterland, und die wirtschaftliche Ausbeutung führte zu einer intensiven Partisanentätigkeit und zu militärischen Strukturen. Insgesamt beteiligten sich 200000 Russen am Partisanenkampf.

 

Während der sowjetischen Sommeroffensive 1943 erreichten diese Sabotageakte besonders im Bereich der Heeresgruppe Mitte ihren Höhepunkt. So beeinträchtigten die Partisanen die Verbindungslinien und damit die Versorgung der deutschen Truppen mit Personal und Gerät erheblich. Aber auch die sowjetischen Truppen, die auf ihrem Vormarsch in großem Umfang die Bahn als Transportmittel nutzten, hatten unter diesen Zerstörungen zu leiden. Daneben banden die Partisanen eine größere Zahl an deutsche Einheiten, da ihre Überfälle und Sabotageakte stark erhöhte Sicherungsmaßnahmen erforderlich machten.

 

Siehe auch:

Phoenix – „Die Partisanen – Krieg hinter der Front“

 

Partisanenkrieg im Osten

 

"Das Brjansker Gebiet unter der Besatzungsherrschaft der Wehrmacht 1941 bis 1943" Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades

Seite 53

Dienstaufsicht im Krieg

Die Werferbatterie LIII erhält häufig Besuch von Vorgesetzten im Rahmen der Dienstaufsicht. Die Besuche der Kommandierenden Generäle des Armeekorps LIII, Ernst-Heinrich Clößner (S. 45 und 47) und Friedrich Gollwitzer (S.119) sind ungewöhnlich. Grund dafür ist, dass die Batterie Heerestruppe ist und im Rahmen eines Armeekorps „überall dort eingesetzt wird, wo Not am Mann ist“. Da die Werfertruppe eine sehr junge Truppengattung ist und die Batterie neuaufgestellt wurde, werden die Kommandierenden Generäle sich wohl in erster Linie für die Leistungsfähigkeit der Einheit interessiert und Fürsorgeaspekte (Frage nach dem Heimaturlaub) sowie die Förderung der Motivation der Truppe in den Vordergrund gestellt haben. Die „normale“ Dienstaufsicht - wie sie z.B. vom Oberst auf Seite 53 ausgeübt wurde – befasst sich mit konkreten Mängeln in der Ausbildung und deren Abstellung. Die Reaktion des Obersten auf den „vorlauten“ Wachtmeister Hammer erscheint jedoch etwas humorlos.

In Phasen geringer Aktivitäten an der Front wird die Zeit für Ausbildung und Übungen genutzt. In der Zeit hat auch die Dienstaufsicht „Konjunktur“. Sobald das Geschehen auf dem Kriegsschauplatz dominiert, hat diese Art von Dienstaufsicht ausgedient. Die höheren Vorgesetzten wollen dann mit ihrer Anwesenheit unmittelbar Einfluss auf das Geschehen nehmen und das Durchhaltevermögen der Truppe stärken.

Seite 117

Ferntrauung im Krieg

Auf der Seite 117 - und in geringerem Umfang auf den Seiten 122 und 159 - berichtet der Chronist von der Ferntrauung von Batterieangehörigen

mit humorvollen Anklängen im Text

und in der Zeichnung.

 

Die Ferntrauung war seit dem 4.November 1939 für Wehrmachtsangehörige, die

„an einem Krieg, einem kriegsähnlichen Unternehmen

oder einem besonderen Einsatz teilnahmen“ und ihren Standort verlassen haben, möglich.

 

Der Wehrmachtsangehörige musste eine Willenserklärung zur Niederschrift beim Bataillonskommandeur abgeben. Zusätzlich notwendig waren eine eidesstattliche Erklärung über die arische Abstammung und die Heiratsgenehmigung des Oberkommandos der Wehrmacht für das Standesamt. Ein Aufgebot war nicht erforderlich. Die Trauung fand in jeweils sich ändernden Zeiträumen seit der Erklärung des Mannes im heimatlichen Standesamt vor zwei Trauzeugen statt. Umgangssprachlich wurde diese Ferntrauung als „Stahlhelmtrauung“ oder „Trauung mit dem Stahlhelm“ bezeichnet, da bei der Zeremonie im Standesamt ein Stahlhelm an die Stelle gelegt wurde, die ansonsten der Bräutigam eingenommen hätte (siehe Beispielfoto).

Die Ehe wurde in dem Zeitpunkt wirksam, in dem die Frau ihren Willen, die Ehe einzugehen, vor dem Standesbeamten erklärte. Dies galt auch, wenn der Mann zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Die Ehe galt dann als an dem Tag zustande gekommen, an dem der Mann seinen Willen, die Ehe einzugehen, zur Niederschrift erklärt hatte. Ansonsten übersandte der Standesbeamte dem Mann eine gebührenfreie Heiratsurkunde, aus der der Umstand der Ferntrauung nicht ersichtlich war. Aus dem bei der Eheschließung zu eröffnenden Blatt im Familienbuch war jedoch ersichtlich zu machen, dass die Ehe in Abwesenheit des Mannes geschlossen worden war.

Ferntrauung, ein Stahlhelm nimmt den Platz des Bräutigams ein.
Seite 183

Heimaturlaub oder auch Fronturlaub

Auf Seite 183 der Chronik erkundigt sich der General der Infanterie und KG des LIII Armeekorps Friedrich Gollwitzer bei einem Dienstaufsichtsbesuch nach dem Urlaub der Soldaten. Die Antwort stellt ihn offensichtlich zufrieden.

 

Der Heimaturlaub unterlag im Zweiten Weltkrieg häufig wechselnden Vorschriften.  Gemäß einer Urlaubsregelung vom März 1940 hatte jeder Soldat" theoretisch die Möglichkeit, zwei- bis dreimal oder sogar noch öfter im Jahr nach Hause zu fahren". Gleichzeitig regelten laufend der Lage angepasste Quoten, wie viele Soldaten in Urlaub gehen durften. Selbst die Soldaten im Osten sollten laut einer Verordnung vom Oktober 1942 "einmal im Jahr einen zusammenhängenden Heimaturlaub von 20 Tagen erhalten", wobei die Reisetage nicht auf den Urlaub angerechnet werden durften. Auch wenn es sich dabei um einen "Richtwert ohne Rechtsanspruch" handelte und diese recht großzügig anmutenden Regelungen spätestens mit der alliierten Landung in der Normandie rasch zurückgenommen wurden - offensichtlich versuchte die Wehrmachtsspitze aus den Fehlern im Ersten Weltkrieg zu lernen: Es herrschte Einigkeit über die Bedeutung einer "gerechten" Urlaubsvergabe "als Stimulans für die Moral der Truppe".

 

Auf dieses Buch dürfen wir hinweisen:

  • Christian Packheiser: Heimaturlaub: Soldaten zwischen Front, Familie und NS-Regime.
  • Göttingen: Wallstein 2020
  • ISBN 978-3835336759
Kriegsurlaubschein, 1940

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Leseempfehlung

"Hans Max Freiherr von Aufseß. Kriegstagebuch aus der Okkupationszeit der britischen Kanalinseln 1943–1945."

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